Waldhonig entsteht nicht aus Blütennektar. Seine Grundlage ist Honigtau – eine klare, klebrige und zuckerreiche Flüssigkeit, die vor allem von Blatt-, Schild- und Rindenläusen ausgeschieden wird. Honigbienen sammeln die süßen Tropfen auf Blättern, Nadeln und Zweigen und verarbeiten sie im Bienenstock zu einem meist dunklen und kräftig-würzigen Honig.
Doch wie entsteht Honigtau genau? Welche Bäume sind für die Waldtracht wichtig? Und warum kann ein guter Waldhonig für Imker zugleich Glücksfall und Herausforderung sein?
Aus der Imkerpraxis: Bei einer Waldtracht müssen viele Faktoren gleichzeitig passen. Die richtige Lausart muss sich ausreichend vermehrt haben, die Wirtspflanzen müssen geeigneten Siebröhrensaft liefern und das Wetter darf den Honigtau nicht sofort abwaschen oder austrocknen lassen. Deshalb gibt es auch an guten Waldstandorten nicht automatisch jedes Jahr Waldhonig.
Autor: Thomas Wüst · Imker aus dem Siegerland · Vollständig überarbeitet im Juli 2026
Honigtau kurz erklärt
- Honigtau ist eine zuckerreiche Ausscheidung pflanzensaugender Insekten.
- Wichtige Honigtauerzeuger sind Blattläuse, Rindenläuse, Schildläuse und Zikaden.
- Die Tiere nehmen Siebröhrensaft aus Pflanzen auf und scheiden überschüssiges Wasser und Zucker wieder aus.
- Honigbienen sammeln die Tropfen von Nadeln, Blättern und Zweigen.
- Aus überwiegend im Wald gesammeltem Honigtau entsteht Waldhonig.
- Honigtauhonig ist häufig dunkler und kräftiger als Blütenhonig.
- Eine Waldtracht ist stark von Läusepopulation, Wirtspflanze und Witterung abhängig.
- Ein hoher Anteil des Dreifachzuckers Melezitose kann zu schwer schleuderbarem Zementhonig führen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Honigtau?
- Wie entsteht Honigtau?
- Welche Insekten erzeugen Honigtau?
- Auf welchen Bäumen entsteht Honigtau?
- Wie sammeln Bienen Honigtau?
- Wie wird aus Honigtau Waldhonig?
- Unterschied zwischen Honigtau- und Blütenhonig
- Wann kommt es zu einer Waldtracht?
- Wie erkennen Imker eine Honigtautracht?
- Melezitose- oder Zementhonig
- Warum Ameisen Blattläuse beschützen
- Ist Honigtau für Pflanzen schädlich?
- Häufige Fragen
Was ist Honigtau?
Honigtau ist eine klare bis leicht trübe, klebrige und zuckerhaltige Flüssigkeit. Sie befindet sich vor allem auf Blättern, Nadeln, Zweigen und anderen lebenden Pflanzenteilen.
Anders als Blütennektar wird Honigtau nicht von einer Pflanze als Lockmittel für Bestäuber gebildet. Er entsteht überwiegend durch die Ernährung bestimmter pflanzensaugender Insekten. Dazu gehören verschiedene Blattläuse, Rindenläuse, Schildläuse und Zikaden.
Diese Tiere stechen die Leitungsbahnen einer Pflanze an und nehmen deren zuckerreichen Saft auf. Da sie wesentlich mehr Wasser und Zucker aufnehmen müssen, als sie für ihre eigene Ernährung benötigen, geben sie einen Teil davon wieder ab. Diese ausgeschiedenen Tropfen werden als Honigtau bezeichnet.
Nicht mit Mehltau verwechseln: Honigtau wird gelegentlich auch Meltau genannt. Mehltau ist dagegen die Bezeichnung für verschiedene Pflanzenkrankheiten, die durch Pilze verursacht werden. Obwohl die Begriffe ähnlich klingen, handelt es sich um völlig unterschiedliche Erscheinungen.
Wie entsteht Honigtau?
Pflanzen transportieren die bei der Photosynthese gebildeten Zucker über ihre Siebröhren, das sogenannte Phloem. Dieser Siebröhrensaft enthält sehr viel Wasser und Zucker, aber vergleichsweise wenig stickstoffhaltige Verbindungen wie Aminosäuren.
Für Blatt- und Rindenläuse sind gerade diese selteneren stickstoffhaltigen Bestandteile wichtig. Um davon genügend aufzunehmen, müssen die Tiere große Mengen Siebröhrensaft trinken. Das überschüssige Wasser und ein erheblicher Teil des Zuckers werden anschließend wieder ausgeschieden.
Honigtau entsteht in fünf Schritten
- Eine Laus oder ein anderes saugendes Insekt sticht die Siebröhre einer Pflanze an.
- Der unter Druck stehende Pflanzensaft gelangt in den Verdauungstrakt des Tieres.
- Das Insekt entnimmt die für seine Ernährung benötigten Stoffe.
- Überschüssiges Wasser und Zucker werden als Tropfen ausgeschieden.
- Der Tropfen bleibt am Tier hängen oder landet auf darunterliegenden Nadeln, Blättern und Zweigen.
Während der Darmpassage wird der Pflanzensaft verändert. Enzyme und im Verdauungssystem lebende Mikroorganismen beeinflussen die Zusammensetzung des späteren Honigtaus. Deshalb unterscheidet sich Honigtau je nach Lausart und Wirtspflanze.
Welche Zucker enthält Honigtau?
Zu den enthaltenen Zuckerarten gehören unter anderem Saccharose, Fructose und Glucose. Hinzukommen je nach Herkunft verschiedene Mehrfachzucker wie Maltose, Trehalose, Raffinose und Melezitose.
Gerade diese besondere Zuckerzusammensetzung unterscheidet Honigtau deutlich von vielen Blütennektaren und prägt später auch die Eigenschaften des daraus entstandenen Honigs.
Welche Insekten erzeugen Honigtau?
Honigtau kann von verschiedenen pflanzensaugenden Insekten stammen. Für Imker sind insbesondere solche Arten interessant, die in kurzer Zeit große Populationen aufbauen und größere Mengen Honigtau erzeugen können.
| Gruppe | Typische Vertreter | Bedeutung für die Honigtautracht |
|---|---|---|
| Blattläuse | Zierläuse und andere Blattlausarten | Erzeugen Honigtau auf Laubbäumen und zahlreichen weiteren Pflanzen. |
| Rindenläuse | Verschiedene Arten der Gattung Cinara | Besonders wichtig auf Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche. |
| Schildläuse | Lecanien beziehungsweise Napfschildläuse | Können auf Fichten und anderen Gehölzen ergiebige Honigtautrachten ermöglichen. |
| Zikaden | Verschiedene pflanzensaugende Arten | Regional bedeutsam, in Deutschland meist weniger bekannt als Läuse. |
| Blattflöhe | Verschiedene Psylliden | Können klebrigen Honigtau auf Blättern und Trieben hinterlassen. |
Nicht jede Blattlauskolonie ist automatisch eine bedeutende Trachtquelle. Entscheidend sind die Art, die Größe der Population, die Zusammensetzung des Pflanzensaftes und die Menge des tatsächlich erreichbaren Honigtaus.
Auf welchen Bäumen entsteht Honigtau?
Honigtau kann grundsätzlich auf vielen Pflanzen entstehen. Für die Gewinnung von Honigtauhonig sind jedoch vor allem größere Baumbestände interessant. Sie bieten den Honigtauerzeugern ausreichend Lebensraum und können von vielen Sammelbienen gleichzeitig genutzt werden.
| Wirtspflanze | Möglicher Honig | Typische Bedeutung |
|---|---|---|
| Fichte | Fichtenhonig oder Waldhonig | Eine der wichtigsten Wirtspflanzen für die Waldtracht. |
| Weißtanne | Tannenhonig | Besonders geschätzte, aber nicht regelmäßig auftretende Honigtautracht. |
| Kiefer | Kiefernhonig oder Waldhonig | Regional relevant, in Deutschland weniger verbreitet. |
| Lärche | Lärchenhonig oder Waldhonig | Kann Honigtau mit erhöhtem Melezitoseanteil liefern. |
| Linde | Lindenhonig mit Honigtauanteil | Linden können sowohl Nektar als auch Honigtau liefern. |
| Eiche | Wald- oder Eichenhonig | Regional mögliche kräftige Honigtautracht. |
| Ahorn | Misch- oder Honigtauhonig | Kann neben Blütennektar auch Honigtau bereitstellen. |
| Edelkastanie | Edelkastanienhonig | Kann sowohl aus Nektar als auch aus Honigtauanteilen bestehen. |
Welche Pflanzen tatsächlich zur Honigernte beitragen, lässt sich nicht allein am Standort erkennen. Entscheidend ist, welche Honigtauerzeuger auf den vorhandenen Bäumen leben und wie sich deren Population im betreffenden Jahr entwickelt.
Wie sammeln Bienen Honigtau?
Honigbienen nehmen Honigtau mit ihrem Rüssel von Nadeln, Blättern, Zweigen und anderen Oberflächen auf. Ergiebige Fundstellen werden ähnlich wie gute Nektarquellen von den Sammlerinnen an weitere Bienen weitergegeben.
Der gesammelte Honigtau gelangt in die Honigblase der Biene. Bereits während des Sammelns werden körpereigene Stoffe und Enzyme hinzugefügt. Im Bienenstock wird das Sammelgut an Stockbienen übergeben, weiterverarbeitet und in Wabenzellen eingelagert.
Durch wiederholtes Umlagern, die Zugabe bieneneigener Enzyme und die Verdunstung von Wasser reift aus dem zunächst dünnflüssigeren Sammelgut haltbarer Honig. Ist er ausreichend gereift, werden die Zellen von den Bienen mit Wachs verschlossen.
Honigtau wird nicht einfach nur eingelagert: Erst die Verarbeitung durch die Bienen, der Wasserentzug und die Zugabe bieneneigener Enzyme machen daraus Honig.
Wie wird aus Honigtau Waldhonig?
Waldhonig ist ein Honigtauhonig, dessen Rohstoff überwiegend aus dem Wald stammt. Die Bezeichnung bezieht sich damit auf die Herkunft des Honigtaus und nicht auf eine einzelne Pflanzenart.
Je nachdem, welche Wirtspflanze und welcher Honigtauerzeuger beteiligt waren, kann der Honig unterschiedlich aussehen und schmecken. Fichten-, Tannen- und andere Waldhonige bilden deshalb keine vollkommen einheitliche Gruppe.
Typische Eigenschaften von Wald- und Honigtauhonig
- meist dunkelbraune, rotbraune oder teilweise fast grünlich-schwarze Farbe
- kräftiges, würziges bis malziges Aroma
- teilweise harzige oder karamellartige Geschmacksnoten
- häufig geringere wahrgenommene Süße als bei mildem Blütenhonig
- vergleichsweise hohe elektrische Leitfähigkeit
- höherer Anteil bestimmter Mineralstoffe und Mehrfachzucker
- oft längere flüssige Konsistenz, abhängig von der Zuckerzusammensetzung
Nicht jeder dunkle Honig ist automatisch Waldhonig. Auch Blütenhonige wie Edelkastanienhonig können sehr dunkel und kräftig sein. Eine verlässliche Sortenbestimmung berücksichtigt neben Farbe und Geschmack auch physikalisch-chemische Werte und die mikroskopische Untersuchung.
Waldhonig, Tannenhonig und Fichtenhonig
| Bezeichnung | Herkunft |
|---|---|
| Honigtauhonig | Oberbegriff für Honig, der vollständig oder überwiegend aus Honigtau stammt. |
| Waldhonig | Honigtauhonig, dessen Honigtau überwiegend aus dem Wald stammt. |
| Fichtenhonig | Honigtauhonig, dessen typische Eigenschaften überwiegend auf Fichtenbestände zurückzuführen sind. |
| Tannenhonig | Honigtauhonig aus Beständen der Weißtanne mit entsprechenden sortentypischen Merkmalen. |
Für die Vermarktung als bestimmte Honigsorte reicht eine Vermutung des Imkers nicht aus. Der Honig muss die für die angegebene Herkunft typischen sensorischen, mikroskopischen und physikalisch-chemischen Eigenschaften aufweisen.
Honigtauhonig und Blütenhonig: Was ist der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied liegt in der ursprünglichen Rohstoffquelle. Blütenhonig entsteht aus Blütennektar, während Honigtauhonig auf zuckerhaltigen Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten basiert.
| Merkmal | Blütenhonig | Honigtauhonig |
|---|---|---|
| Ursprung | Nektar aus Blüten | Honigtau auf lebenden Pflanzenteilen |
| Typische Farbe | Von fast weiß bis dunkelbraun | Meist rotbraun bis sehr dunkel |
| Geschmack | Je nach Blüte mild, fruchtig oder aromatisch | Häufig kräftig, würzig und malzig |
| Zuckerprofil | Oft höherer Anteil einfacher Zucker | Häufig mehr verschiedene Mehrfachzucker |
| Elektrische Leitfähigkeit | In der Regel niedriger | In der Regel höher |
| Konsistenz | Von schnell kristallisierend bis lange flüssig | Bleibt häufig länger flüssig, kann bei viel Melezitose aber sehr schnell fest werden |
| Pollenbild | Typische Blütenpollen dienen der Herkunftsbestimmung | Enthält charakteristische Honigtauelemente und meist weniger aussagekräftige Pollenanteile |
Die Tabelle beschreibt typische Tendenzen. Honig ist ein Naturprodukt, weshalb Farbe, Geschmack und Konsistenz auch innerhalb derselben Sortengruppe deutlich schwanken können.
Wann kommt es zu einer Waldtracht?
Eine Waldtracht entsteht nur, wenn ausreichend Honigtau vorhanden ist und die Bienen ihn unter geeigneten Bedingungen sammeln können. Entscheidend ist vor allem die Entwicklung der beteiligten Läusepopulationen.
Diese Faktoren beeinflussen die Waldtracht
- Überwinterung: Eier oder andere Überwinterungsstadien der Honigtauerzeuger müssen den Winter überstehen.
- Frühjahrsentwicklung: Geeignete Temperaturen fördern die Vermehrung der Läuse.
- Wirtspflanze: Der Zustand des Baumes beeinflusst Menge und Zusammensetzung des Siebröhrensaftes.
- Regen: Starke Niederschläge können Honigtau abwaschen und Läusepopulationen beeinträchtigen.
- Trockenheit: Längere Trockenperioden können die Saftversorgung der Wirtspflanzen verschlechtern.
- Natürliche Gegenspieler: Marienkäfer, Florfliegen, Schlupfwespen und weitere Tiere reduzieren Läusebestände.
- Sammelwetter: Die Bienen benötigen geeignete Flugtemperaturen und möglichst wenig Dauerregen.
- Alternative Trachten: Gleichzeitig blühende, ergiebige Pflanzen können attraktiver sein als der vorhandene Honigtau.
Deshalb kann ein Waldgebiet in einem Jahr eine sehr gute Honigernte ermöglichen und im nächsten Jahr nahezu ohne nutzbare Waldtracht bleiben.
Waldtracht ist schwer planbar: Ein großer Fichten- oder Tannenbestand allein garantiert noch keinen Waldhonig. Ohne geeignete Honigtauerzeuger und einen passenden Witterungsverlauf bleiben die Honigräume leer.
Wie erkennen Imker eine Honigtautracht?
Erfahrene Waldtrachtimker beobachten nicht nur den Flugbetrieb am Bienenstand. Sie kontrollieren gezielt Bäume, Läusepopulationen, Honigtautropfen und die Gewichtsentwicklung der Bienenvölker.
Typische Hinweise auf Honigtau
- Nadeln oder Blätter fühlen sich klebrig an.
- Auf Zweigen und Nadeln glänzen kleine klare Tropfen.
- Unter befallenen Bäumen sind Autos, Gartenmöbel oder Pflanzen klebrig.
- Ameisen laufen auffällig häufig an Baumstämmen und Zweigen entlang.
- Auf Blättern bildet sich dunkler Rußtau.
- Honigbienen befliegen scheinbar blütenlose Bäume.
- Die Bienen tragen dunkles, teilweise zähes Sammelgut ein.
- Eine Stockwaage zeigt deutliche tägliche Gewichtszunahmen.
Der Klopftest
Bei einem einfachen Klopftest wird ein heller Untergrund unter einen Zweig gehalten und der Zweig vorsichtig abgeklopft. Herabfallende Läuse lassen sich auf dem hellen Tuch oder Papier leichter erkennen.
Der Test zeigt jedoch nur eine Momentaufnahme. Für eine zuverlässige Einschätzung muss der Imker die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachten und die gefundenen Läuse möglichst korrekt bestimmen.
Honigtau mit dem Geschmackstest erkennen?
Manche Imker berühren klebrige Nadeln oder Zweige und prüfen vorsichtig den süßen Geschmack. Dieses Vorgehen kann einen ersten Hinweis liefern, ersetzt aber keine genaue Kontrolle der Läusepopulation und ist aus hygienischen Gründen nicht immer empfehlenswert.
Melezitosehonig: Wenn Waldhonig zu Zementhonig wird
Eine Honigtautracht ist für Imker nicht immer nur erfreulich. Enthält der gesammelte Honigtau viel Melezitose, kann der Honig bereits in den Waben sehr schnell auskristallisieren.
Melezitose ist ein Dreifachzucker, der in unterschiedlicher Menge in Honigtau vorkommt. Überschreitet sein Anteil eine kritische Größenordnung, beginnt der Honig teilweise schon wenige Tage nach dem Eintrag fest zu werden.
Der Honig sitzt dann so fest in den Wabenzellen, dass er sich mit einer gewöhnlichen Honigschleuder kaum oder gar nicht mehr gewinnen lässt. Wegen seiner harten Konsistenz wird er umgangssprachlich als Zementhonig bezeichnet.
Warum ist Zementhonig problematisch?
- Die Waben lassen sich nicht normal ausschleudern.
- Große Honigmengen können in den Waben fest gebunden bleiben.
- Die Gewinnung verursacht erheblich mehr Arbeit.
- Honigräume und Waben stehen möglicherweise nicht rechtzeitig wieder zur Verfügung.
- Große Mengen melezitosereichen Winterfutters können für das Bienenvolk ungünstig sein.
Wer eine starke Honigtautracht beobachtet, sollte deshalb nicht nur auf die Gewichtszunahme achten. Auch die beginnende Kristallisation in offenen Zellen muss regelmäßig kontrolliert werden.
Für Imker wichtig: Bei Verdacht auf Melezitosehonig sollten die Waben engmaschig kontrolliert werden. Wartet man bis zum Ende einer langen Tracht, kann ein großer Teil des Honigs bereits fest in den Waben sitzen.
Warum beschützen Ameisen Blattläuse?
Nicht nur Honigbienen interessieren sich für Honigtau. Auch Ameisen nutzen ihn als energiereiche Nahrungsquelle. Manche Ameisenarten berühren Blattläuse mit ihren Fühlern und regen sie dadurch zur Abgabe eines Honigtautropfens an.
Im Gegenzug verteidigen die Ameisen ihre Honigtauproduzenten teilweise gegen natürliche Feinde wie Marienkäferlarven. Dieses Verhalten wird häufig mit einer Viehhaltung verglichen, obwohl die Beziehung zwischen den beteiligten Arten deutlich komplexer ist.
Für den Imker kann starker Ameisenverkehr an einem Baum ein erster Hinweis auf vorhandene Läusekolonien sein. Er beweist jedoch noch nicht, dass ausreichend Honigtau für eine ergiebige Waldtracht vorhanden ist.
Ist Honigtau für Pflanzen schädlich?
Der Honigtau selbst ist zunächst vor allem klebrig. Problematisch kann er werden, wenn sich auf den zuckerhaltigen Ablagerungen dunkle Rußtaupilze ansiedeln. Ein starker Belag kann die Lichtaufnahme der Blätter beeinträchtigen.
Die eigentliche Belastung für die Pflanze entsteht häufig durch den starken Befall mit saugenden Insekten. Sie entziehen Pflanzensaft, können junge Triebe schwächen und bei einigen Arten zusätzlich Pflanzenkrankheiten übertragen.
Ein geringer Blattlausbefall gehört jedoch zu einem natürlichen Ökosystem. Blattläuse dienen Marienkäfern, Florfliegen, Schwebfliegenlarven und vielen weiteren Tieren als Nahrung.
Ist Waldhonig gesünder als Blütenhonig?
Waldhonig besitzt im Durchschnitt eine andere Zusammensetzung als viele Blütenhonige. Typisch sind eine höhere elektrische Leitfähigkeit, ein höherer Anteil bestimmter Mineralstoffe und ein anderes Spektrum an Mehrfachzuckern.
Daraus lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass Waldhonig grundsätzlich „gesünder“ ist. Sowohl Wald- als auch Blütenhonig bestehen überwiegend aus verschiedenen Zuckerarten und sollten als süßes Lebensmittel in angemessener Menge verzehrt werden.
Entscheidend sind persönliche Geschmacksvorlieben, eine naturbelassene Verarbeitung und eine saubere, nachvollziehbare Herkunft. Heilversprechen sind bei gewöhnlichem Lebensmittelhonig nicht angebracht.
Woran erkennt man guten Waldhonig?
- Der Honig besitzt eine nachvollziehbare Herkunft.
- Das Etikett enthält alle vorgeschriebenen Angaben.
- Geruch und Geschmack sind sauber, kräftig und sortentypisch.
- Es sind keine Gärung, Schaumbildung oder fremden Gerüche erkennbar.
- Der Honig wurde nicht unnötig stark erhitzt.
- Eine flüssige oder kristallisierte Konsistenz ist je nach Zusammensetzung möglich und kein Qualitätsfehler.
- Die Bezeichnung als Wald-, Fichten- oder Tannenhonig ist fachlich abgesichert.
Farbe allein ist kein sicherer Qualitätsnachweis. Ein sehr dunkler Honig kann ein hervorragender Waldhonig sein, aber ebenso aus einer dunklen Blütentracht oder einer Mischung verschiedener Trachten stammen.
Häufige Fragen zu Honigtau
Ist Honigtau der Kot von Blattläusen?
Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung pflanzensaugender Insekten. Der aufgenommene Siebröhrensaft wird im Verdauungssystem verändert, teilweise verwertet und anschließend wieder ausgeschieden. Die verkürzte Bezeichnung als „Lauskot“ ist zwar anschaulich, beschreibt den biologischen Vorgang aber nur sehr grob.
Ist Honigtau dasselbe wie Waldhonig?
Nein. Honigtau ist der zuckerhaltige Rohstoff, den Bienen sammeln. Erst durch die Verarbeitung im Bienenstock entsteht Honigtauhonig. Stammt der Honigtau überwiegend aus einem Waldgebiet, kann der fertige Honig als Waldhonig bezeichnet werden.
Welche Tiere produzieren Honigtau?
Zu den Honigtauerzeugern gehören vor allem Blattläuse, Rindenläuse, Schildläuse, Zikaden und Blattflöhe. Für die Waldhoniggewinnung sind bestimmte Rinden- und Schildlausarten auf Nadelbäumen besonders bedeutend.
Wann sammeln Bienen Honigtau?
Honigtau wird vor allem vom späten Frühjahr bis in den Sommer gesammelt. Der genaue Zeitraum hängt von der Lausart, der Wirtspflanze, der Region und dem Witterungsverlauf ab. Einige Waldtrachten beginnen im Mai, andere treten erst im Juli oder August auf.
Warum ist Waldhonig meistens dunkel?
Die Farbe entsteht durch die besondere Zusammensetzung des Honigtaus und durch Reaktionen verschiedener Zucker, Säuren und Aminosäuren während der Reifung. Je nach Wirtspflanze und Honigtauerzeuger kann die Farbe rotbraun, dunkelbraun oder fast schwarz wirken.
Bleibt Waldhonig immer flüssig?
Nein. Viele Honigtauhonige bleiben wegen ihres Zuckerprofils vergleichsweise lange flüssig. Enthalten sie jedoch viel Melezitose, können sie sehr schnell und besonders hart kristallisieren.
Warum gibt es nicht jedes Jahr Waldhonig?
Für eine Waldtracht müssen sich ausreichend große Populationen geeigneter Honigtauerzeuger entwickeln. Gleichzeitig müssen Wirtspflanzen und Wetterbedingungen passen. Starker Regen, Trockenheit, Kälte oder natürliche Gegenspieler können die Tracht vermindern oder vollständig ausfallen lassen.
Fazit: Honigtau verbindet Bäume, Läuse und Honigbienen
Honigtau ist ein faszinierender Rohstoff. Er entsteht, wenn Blatt-, Rinden- oder Schildläuse zuckerreichen Siebröhrensaft aufnehmen und einen Teil davon wieder ausscheiden. Honigbienen sammeln die klebrigen Tropfen und verarbeiten sie im Stock zu kräftigem Honigtauhonig.
Stammt der Honigtau überwiegend aus dem Wald, entsteht der bei vielen Honigliebhabern geschätzte Waldhonig. Seine dunkle Farbe, sein würzig-malziges Aroma und seine von Jahr zu Jahr wechselnde Zusammensetzung machen ihn zu einer besonderen Honigspezialität.
Für Imker bleibt die Waldtracht jedoch schwer vorhersehbar. Ohne die passenden Honigtauerzeuger, gesunde Wirtspflanzen und geeignetes Wetter gibt es auch im größten Wald keinen Waldhonig. Genau diese Abhängigkeit von vielen kleinen Faktoren macht Honigtau zu einem echten Geheimnis des Waldes.
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Quellen und fachliche Grundlagen
Für die fachliche Überarbeitung wurden insbesondere Informationen des LAVES-Instituts für Bienenkunde Celle und des Deutschen Imkerbundes berücksichtigt. Die Eigenschaften einzelner Honigtauhonige können abhängig von Wirtspflanze, Honigtauerzeuger, Region und Witterung abweichen.







