Die afrikanisierte Honigbiene ist weder eine eigene Bienenart noch das blutrünstige Monster aus alten Katastrophenfilmen. Sie ist eine überwiegend afrikanisch geprägte Form der Westlichen Honigbiene, die ihr Nest erheblich schneller und mit mehr Arbeiterinnen verteidigen kann. Genau dieses Verhalten macht Begegnungen riskanter – nicht ein stärkeres Bienengift.
Hier erfährst du, wie die sogenannte „Killerbiene“ entstand, worin sie sich von europäischen Honigbienen unterscheidet, wo sie heute vorkommt und warum sie sich mit bloßem Auge nicht sicher bestimmen lässt.
Keine eigene ArtSie gehört wie unsere Honigbiene zur Art Apis mellifera.
Gift nicht stärkerDie Gefahr entsteht vor allem durch die große Zahl möglicher Stiche.
Nicht in Deutschland etabliertIhr Verbreitungsschwerpunkt liegt in tropischen und subtropischen Teilen Amerikas.
Wie entstand die afrikanisierte Honigbiene?
Europäische Honigbienen waren an die tropischen Bedingungen Brasiliens nur begrenzt angepasst. Deshalb wurden 1956 Königinnen der afrikanischen Unterart Apis mellifera scutellata nach Brasilien gebracht. Ziel war eine Honigbiene, die mit Wärme, langen Brutperioden und den dortigen Trachtbedingungen besser zurechtkommt.
1957 gelangten 26 Königinnen aus dem Versuchsbestand in die Umgebung. Ihre Nachkommen vermehrten sich und paarten sich mit bereits vorhandenen Honigbienen europäischer Abstammung. Daraus entwickelten sich Populationen, die heute unter der Bezeichnung afrikanisierte Honigbienen zusammengefasst werden.[1]
Afrikanische Königinnen werden für ein Zuchtprojekt nach Brasilien gebracht.
Königinnen gelangen aus dem Versuchsbestand in die Umgebung und vermehren sich.
Nach der Ausbreitung durch Lateinamerika werden Populationen in Texas und weiteren südlichen US-Regionen bestätigt.
Afrikanische oder afrikanisierte Honigbiene?
Die Begriffe werden häufig miteinander verwechselt. Die Afrikanische Savannenhonigbiene Apis mellifera scutellata ist eine in Teilen Afrikas natürlich vorkommende Unterart. Als afrikanisierte Honigbienen bezeichnet man dagegen die aus dem brasilianischen Zuchtprojekt hervorgegangenen Populationen in Amerika.
Genetisch genauer betrachtet: Die heutigen Populationen sind regional unterschiedlich zusammengesetzt und vielfach stark afrikanisch geprägt. „Afrikanisiert“ ist deshalb ein praktischer Sammelbegriff – keine exakt abgegrenzte neue Bienenart.
Was unterscheidet sie von europäischen Honigbienen?
Der wichtigste Unterschied liegt nicht im Aussehen, sondern im Verhalten des gesamten Volkes. Afrikanisierte Völker reagieren durchschnittlich schneller auf Störungen. Außerdem beteiligen sich mehr Arbeiterinnen an der Verteidigung und verfolgen eine wahrgenommene Gefahr häufig weiter.[2]
| Merkmal | Europäisch geprägte Honigbienen | Afrikanisierte Honigbienen |
|---|---|---|
| Aussehen | Braun bis goldbraun, je nach Unterart unterschiedlich | Sehr ähnlich, durchschnittlich etwas kleiner |
| Nestverteidigung | Reaktion meist auf den engeren Stockbereich begrenzt | Schnellere Reaktion und mehr beteiligte Arbeiterinnen |
| Verfolgung | Häufig über kürzere Entfernung | Kann länger und über größere Entfernung anhalten |
| Schwarmverhalten | Stark von Linie, Volk und Umwelt abhängig | Häufigeres Schwärmen und Umsiedeln möglich |
| Nistplatz | Bevorzugt meist größere Hohlräume | Nutzt auch kleinere Hohlräume und ungewöhnliche Plätze |
| Honigvorräte | Ausgeprägte Vorratshaltung für kalte Winter | In tropischem Klima geringerer Bedarf an großen Wintervorräten |
Diese Merkmale sind Durchschnittswerte. Auch afrikanisierte Populationen und einzelne Völker können sich deutlich voneinander unterscheiden. Genetik, Klima, Trachtlage, Volksstärke und vorherige Störungen beeinflussen die Verteidigungsreaktion.[3]
Ist die „Killerbiene“ wirklich so gefährlich?
Ihr Stich enthält ein besonders starkes Gift
Der Stich einer einzelnen afrikanisierten Honigbiene ist nicht giftiger als der Stich einer europäisch geprägten Honigbiene.
Die Zahl der Stiche macht den Unterschied
Weil ein gestörtes Volk schneller und mit deutlich mehr Arbeiterinnen reagiert, können Menschen oder Tiere in kurzer Zeit viele Stiche erleiden.
Auch der Name „Killerbiene“ ist problematisch. Die Tiere suchen nicht gezielt nach Menschen, um sie anzugreifen. Sie verteidigen ihr Nest. Ihre niedrigere Reizschwelle und die starke gemeinsame Abwehr machen eine unbemerkte Annäherung an ein Volk jedoch gefährlicher.[4]
Kann man eine afrikanisierte Honigbiene erkennen?
Mit bloßem Auge lässt sie sich nicht zuverlässig bestimmen. Afrikanisierte Honigbienen sind im Durchschnitt etwas kleiner als viele europäische Honigbienen. Der Unterschied ist jedoch so gering, dass selbst Fachleute Messverfahren oder genetische Untersuchungen benötigen.
Farbe, Größe oder ein einzelnes aufgeregtes Tier sind kein sicherer Nachweis. Auch ein gewöhnliches Honigbienenvolk kann sich bei schlechtem Wetter, Futterknappheit, einer fehlenden Königin oder häufigen Störungen sehr verteidigungsbereit zeigen.
Wo lebt die afrikanisierte Honigbiene heute?
Nach ihrer Freisetzung breitete sie sich durch weite Teile Süd- und Mittelamerikas sowie Mexikos aus. Inzwischen gibt es etablierte Populationen auch in mehreren warmen Regionen im Süden der USA, darunter Florida, Texas, Arizona und Teile Kaliforniens.
Kühlere Regionen, lange Winter und Zeiten ohne ausreichendes Nahrungsangebot begrenzen ihre Ausbreitung. Deshalb verlief die Ausbreitung in tropischen Tieflagen besonders schnell, während gemäßigte Höhenlagen und kalte Klimazonen deutlich größere Barrieren darstellen.
Gibt es die „Killerbiene“ in Deutschland?
Deutschland gehört nicht zum etablierten Verbreitungsgebiet der afrikanisierten Honigbiene. Ein Bienenschwarm im Garten oder an einem Gebäude besteht hier mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus gewöhnlichen Honigbienen. Er sollte nicht bekämpft, sondern einem örtlichen Imker oder einer Schwarmfangstelle gemeldet werden.
Wenn du unsicher bist, hilft unser Vergleich Biene oder Wespe?. Mehr über die bei uns gehaltene Art erfährst du im Ratgeber über die Honigbiene.
Widerstandskraft gegen Varroa und Krankheiten
Einige afrikanisierte Populationen können mit der Varroamilbe besser zurechtkommen als viele europäische Zuchtlinien. Als mögliche Gründe werden unter anderem die schnelle Volksentwicklung, kürzere Brutphasen, häufigeres Schwärmen und ausgeprägtes hygienisches Verhalten untersucht.
Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Bienen frei von Varroamilben sind. Untersuchungen aus Lateinamerika zeigen vielmehr, dass sie Milben tragen können, deren Vermehrung und die Folgen bestimmter Viren aber teilweise stärker begrenzen.[5]
Wichtig für Imker: Aus den Eigenschaften einzelner Populationen lässt sich keine allgemeine Varroaresistenz aller afrikanisierten oder afrikanischen Honigbienen ableiten. Ebenso wäre es falsch, daraus eine Behandlungsempfehlung für europäische Bienenvölker abzuleiten.
Sind sie bessere Honigproduzenten?
Darauf gibt es keine einfache Antwort. Afrikanisierte Völker können in tropischen Regionen sehr leistungsfähig sein und lange Trachtzeiten nutzen. Durch häufigeres Schwärmen, kleinere Nester und geringere Vorratshaltung kann der Honigertrag pro Volk aber auch niedriger ausfallen.
Entscheidend sind Klima, Trachtangebot, Betriebsweise, Zucht und die jeweilige Population. Die pauschale Aussage, afrikanisierte Bienen würden grundsätzlich mehr Honig erzeugen, ist daher nicht haltbar.
Was tun, wenn viele Bienen angreifen?
Nicht stehen bleiben – Schutz suchen
- Zügig vom Nest oder Schwarm weglaufen und nicht nach den Bienen schlagen.
- Gesicht, Nase und Mund möglichst mit Händen oder Kleidung schützen.
- Ein geschlossenes Gebäude oder Fahrzeug aufsuchen.
- Nicht ins Wasser springen: Die Bienen können über der Oberfläche bleiben.
- Nach zahlreichen Stichen, Atemnot, Schwellungen im Mund- oder Halsbereich, Kreislaufproblemen oder bekannter Allergie sofort den Notruf 112 verständigen.
Diese Hinweise gelten grundsätzlich auch bei ungewöhnlich starken Angriffen anderer staatenbildender Bienen oder Wespen. Nester sollten niemals eigenmächtig geöffnet, erschüttert oder entfernt werden.
Ich imkere seit rund zwölf Jahren mit europäischen Honigbienen. Afrikanisierte Völker gehören nicht zur deutschen Imkereipraxis. Die Angaben zu Genetik, Verbreitung und Sicherheit in diesem Beitrag stützen sich deshalb auf Fachliteratur und Behördeninformationen aus den betroffenen Regionen.
Thomas, Imker und Autor von Online-Biene.de
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Häufige Fragen zur afrikanisierten Honigbiene
Ist die afrikanisierte Honigbiene eine eigene Art?
Nein. Sie gehört wie die in Europa gehaltenen Honigbienen zur Art Apis mellifera. Der Begriff bezeichnet Populationen in Amerika, die überwiegend auf afrikanische Honigbienen und deren Vermischung mit europäischen Linien zurückgehen.
Warum nennt man sie Killerbiene?
Der mediale Name entstand wegen ihrer ausgeprägten Nestverteidigung. Das Volk reagiert schneller, mit mehr Arbeiterinnen und kann einen Eindringling länger verfolgen. Wissenschaftlich ist „afrikanisierte Honigbiene“ die passendere Bezeichnung.
Ist ihr Gift stärker als das anderer Honigbienen?
Nein. Ein einzelner Stich ist nicht giftiger. Gefährlicher kann eine Begegnung werden, weil bei einer starken Abwehrreaktion sehr viele Bienen gleichzeitig stechen.
Kann man eine afrikanisierte Honigbiene am Aussehen erkennen?
Nicht zuverlässig. Sie ist durchschnittlich etwas kleiner, sieht europäischen Honigbienen ansonsten aber sehr ähnlich. Für eine sichere Zuordnung sind Messungen oder genetische Untersuchungen erforderlich.
Kommt die afrikanisierte Honigbiene in Deutschland vor?
In Deutschland sind keine etablierten Populationen bekannt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in tropischen und subtropischen Regionen Süd-, Mittel- und Nordamerikas.
Fazit: Wehrhaft, anpassungsfähig – aber kein Filmmonster
Die afrikanisierte Honigbiene ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell sich Honigbienen an neue Umweltbedingungen anpassen können. Ihre ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft darf nicht verharmlost werden. Der reißerische Begriff „Killerbiene“ vermittelt jedoch ein falsches Bild: Die Tiere jagen keine Menschen, sondern reagieren besonders intensiv auf eine wahrgenommene Bedrohung ihres Volkes.
Quellen und weiterführende Informationen
- University of Florida, IFAS: Differences Between European and African Honey Bees
- Collins et al.: Colony defense by Africanized and European honey bees
- Guzman-Novoa et al.: The Process and Outcome of the Africanization of Honey Bees in Mexico
- Florida Department of Agriculture: Africanized Honey Bee FAQ
- PLOS ONE: Varroa und Viren in afrikanisierten Honigbienen Kolumbiens
- oekom Verlag: Menschen und Bienen








