Honig entsteht nicht einfach dadurch, dass Bienen Nektar in einer Wabe lagern. Erst durch die Zusammenarbeit von Sammel- und Stockbienen, die Zugabe bieneneigener Enzyme und den gezielten Entzug von Wasser wird aus dünnflüssigem Nektar ein reifer und lagerfähiger Honig.
In diesem Ratgeber begleiten wir den Honig Schritt für Schritt von der Blüte über die Honigblase und die Wabenzelle bis zur Ernte, Verarbeitung und Abfüllung durch den Imker.
Aus der Imkerpraxis: Ich imkere seit rund zwölf Jahren im Siegerland. Besonders faszinierend ist für mich jedes Jahr aufs Neue, wie aus wässrigem und zunächst kaum honigähnlichem Nektar innerhalb weniger Tage ein aromatischer Vorrat entsteht, den die Bienen über lange Zeit lagern können.
Die wichtigste Arbeit erledigen dabei nicht wir Imker, sondern die Bienen. Der Imker entnimmt später lediglich einen Teil des reifen Überschusses und sorgt dafür, dass der Honig sauber, schonend und mit möglichst wenig Qualitätsverlust ins Glas gelangt.
Autor: Thomas Wüst · Imker aus dem Siegerland · Vollständig überarbeitet im Juli 2026
Wie entsteht Honig? Kurz erklärt
- Eine Sammelbiene saugt Blütennektar oder Honigtau auf.
- Das Sammelgut gelangt in ihre Honigblase.
- Bereits während des Fluges werden bieneneigene Stoffe und Enzyme hinzugefügt.
- Im Bienenstock übergibt die Sammlerin ihre Fracht an eine Stockbiene.
- Der Nektar wird mehrfach aufgenommen, weitergegeben und in Wabenzellen verteilt.
- Enzyme verändern die Zusammensetzung der enthaltenen Zucker.
- Durch Ausbreiten und Fächeln entziehen die Bienen dem Nektar Wasser.
- Der eingedickte Honig reift in den Wabenzellen.
- Reife Vorräte werden mit einem dünnen Wachsdeckel verschlossen.
- Der Imker entnimmt geeignete Waben, schleudert, siebt, rührt und füllt den Honig ab.
Inhaltsverzeichnis
- Woraus entsteht Honig?
- Wie sammelt eine Biene Nektar?
- Was passiert in der Honigblase?
- Übergabe im Bienenstock
- Welche Enzyme sind beteiligt?
- Wie entziehen Bienen dem Nektar Wasser?
- Wann ist Honig reif?
- Warum verdeckeln Bienen den Honig?
- Warum produzieren Bienen Honig?
- Wie erntet der Imker den Honig?
- Vom Schleudern bis zum Abfüllen
- Wie entsteht cremiger Honig?
- Wie entstehen verschiedene Honigsorten?
- Wie viele Blüten braucht ein Glas Honig?
- Was zeichnet hochwertigen Honig aus?
- Häufige Fragen
Woraus entsteht Honig?
Honig kann aus zwei unterschiedlichen natürlichen Ausgangsstoffen entstehen: aus Blütennektar oder aus Honigtau.
Blütennektar
Nektar ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die von Pflanzen in besonderen Drüsen, den Nektarien, gebildet wird. Viele Blütenpflanzen locken damit Bestäuber wie Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge an.
Während die Tiere den Nektar aufnehmen, berühren sie Staubblätter und Narben. Dadurch kann Blütenpollen von einer Blüte zur nächsten übertragen werden.
Honigtau
Honigtau entsteht nicht in einer Blüte. Er wird vor allem von Blatt-, Schild- und Rindenläusen ausgeschieden, nachdem diese zuckerreichen Pflanzensaft aufgenommen haben. Honigbienen sammeln die klebrigen Tropfen von Blättern, Nadeln und Zweigen.
Aus Honigtau entsteht beispielsweise Waldhonig. Dieser ist häufig dunkler und schmeckt kräftiger als viele Blütenhonige.
| Ausgangsstoff | Herkunft | Typischer Honig |
|---|---|---|
| Blütennektar | Nektarien verschiedener Blütenpflanzen | Blütenhonig, Rapshonig, Lindenblütenhonig oder Robinienhonig |
| Honigtau | Zuckerhaltige Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten | Waldhonig, Fichtenhonig oder Tannenhonig |
Wie sammelt eine Biene Nektar?
Eine Sammelbiene findet geeignete Blüten unter anderem über deren Farbe, Duft und die Erfahrungen vorheriger Sammelflüge. Auch die Tanzsprache anderer Bienen kann ihr Richtung und Entfernung einer ergiebigen Futterquelle vermitteln.
An der Blüte streckt die Biene ihren Rüssel aus und saugt den Nektar auf. Der Nektar gelangt über die Speiseröhre in die Honigblase.
Viele Honigbienen zeigen während eines Sammelfluges eine ausgeprägte Blütenstetigkeit. Das bedeutet, dass sie häufig nacheinander dieselbe Pflanzenart besuchen, solange diese genügend Nahrung bietet. Dadurch wird die Bestäubung der betreffenden Pflanzen besonders wirksam.
Pollen und Nektar sind nicht dasselbe
Nektar liefert vor allem Kohlenhydrate und ist der wichtigste Ausgangsstoff für Blütenhonig. Pollen liefert dagegen Eiweiß, Fette, Vitamine und weitere Nährstoffe, die insbesondere für die Aufzucht der Brut benötigt werden.
Pollen wird deshalb nicht einfach zu Honig verarbeitet. Die Bienen transportieren ihn überwiegend in den Pollenkörbchen ihrer Hinterbeine und lagern ihn als sogenannten Bienenpollen beziehungsweise Bienenbrot in den Waben ein.
Merksatz: Nektar und Honigtau sind die wichtigsten Rohstoffe für Honig. Pollen ist dagegen vor allem die Eiweißversorgung des Bienenvolkes.
Was passiert in der Honigblase?
Die Honigblase wird auch Honigmagen genannt. Sie ist ein dehnbarer Vorratsbehälter im Vorderkörper der Biene und nicht mit dem eigentlichen Verdauungsmagen gleichzusetzen.
Eine Ventilstruktur, der sogenannte Proventriculus, reguliert den Übergang zum Mitteldarm. Nur wenn die Biene selbst Energie benötigt, kann ein Teil des Inhalts in den Verdauungstrakt gelangen.
Der größte Teil des gesammelten Nektars bleibt in der Honigblase und wird zum Bienenstock transportiert. Schon während des Sammelfluges gelangen bieneneigene Sekrete und Enzyme in das Sammelgut. Die Umwandlung zu Honig beginnt daher bereits, bevor die Biene wieder im Stock angekommen ist.
Übergabe im Bienenstock: Teamarbeit von Biene zu Biene
Nach ihrer Rückkehr übergibt die Sammelbiene den Inhalt ihrer Honigblase an eine Stockbiene. Dazu würgt sie einen kleinen Tropfen hervor, den die Stockbiene mit ihrem Rüssel aufnimmt.
Dieser Vorgang wird als Trophallaxis bezeichnet. Das Sammelgut kann anschließend von einer weiteren Biene aufgenommen, bearbeitet und erneut weitergegeben werden.
Die genaue Zahl dieser Übergaben ist nicht festgelegt. Sie hängt unter anderem von der Menge des Eintrags, der Wasserhaltigkeit des Nektars, der Temperatur und der Organisation im Bienenvolk ab.
Bei starkem Eintrag können die Stockbienen den Nektar auch relativ früh in den Waben verteilen. Dort wird er in kleinen Tropfen an Zellwänden und Zellböden ausgebreitet, damit eine möglichst große Oberfläche entsteht.
Welche Enzyme geben Bienen dem Nektar hinzu?
Während der Verarbeitung gelangen verschiedene bieneneigene Enzyme in den Nektar. Diese verändern seine Zusammensetzung und tragen zur Reifung des Honigs bei.
| Enzym | Aufgabe |
|---|---|
| Invertase | Spaltet Saccharose überwiegend in Glucose und Fructose. |
| Glucoseoxidase | Wirkt an der Entstehung von Gluconsäure und Wasserstoffperoxid mit. |
| Diastase beziehungsweise Amylase | Spaltet bestimmte Stärke- und Mehrfachzuckerverbindungen. |
Durch diese Prozesse verändert sich das Zuckerprofil. Gleichzeitig entstehen Säuren und weitere Verbindungen, die Geschmack, Stabilität und Eigenschaften des späteren Honigs mitprägen.
Honig wird jedoch nicht allein durch Enzyme haltbar. Ebenso wichtig sind sein niedriger Wassergehalt, die hohe Zuckerkonzentration und sein saurer pH-Wert.
Fachlich wichtig: Die Enzyme „kochen“ den Nektar nicht und bauen auch keine Gärstoffe ab. Sie verändern vor allem bestimmte Zucker und tragen zur charakteristischen Zusammensetzung des Honigs bei.
Wie entziehen Bienen dem Nektar Wasser?
Frischer Nektar enthält häufig wesentlich mehr Wasser als fertiger Honig. Der genaue Anteil schwankt je nach Pflanzenart, Wetter, Tageszeit und Standort.
Damit der Vorrat nicht verdirbt, müssen die Bienen einen großen Teil dieses Wassers entfernen. Dazu nutzen sie mehrere Verfahren gleichzeitig.
1. Tropfenbildung am Rüssel
Eine Stockbiene kann einen Tropfen zwischen Rüssel und Mundwerkzeugen wiederholt hervorbringen und erneut aufnehmen. Durch die vergrößerte Oberfläche kann Wasser verdunsten.
2. Verteilung in den Wabenzellen
Der noch unreife Honig wird zunächst in dünnen Schichten oder kleinen Tropfen über viele Zellen verteilt. Auch dadurch vergrößert sich die Oberfläche.
3. Luftbewegung im Bienenstock
Arbeiterinnen erzeugen mit ihren Flügeln einen Luftstrom. Feuchte Luft wird aus dem Stock transportiert und trockenere Luft strömt nach. Besonders an warmen Trachttagen sind fächelnde Bienen am Flugloch gut zu beobachten.
Die Geschwindigkeit des Wasserentzugs hängt stark von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Volksstärke, Beutenklima und Menge des frisch eingetragenen Nektars ab.
Wann ist Honig reif?
Reifer Honig besitzt einen ausreichend niedrigen Wassergehalt und wurde von den Bienen enzymatisch verarbeitet. Eine starre Grenze, ab der jede einzelne Zelle automatisch als reif gilt, gibt es im Bienenvolk nicht.
Die Bienen verschließen ausreichend eingedickte Vorräte häufig mit Wachs. Für den Imker sind verdeckelte Waben daher ein wichtiger Hinweis auf die Reife.
Eine vollständig verdeckelte Wabe ist jedoch nicht immer zwingend erforderlich. Auch unverdeckelter Honig kann bereits einen niedrigen Wassergehalt besitzen. Umgekehrt können einzelne verdeckelte Bereiche noch vergleichsweise feucht sein.
Wie prüft der Imker die Reife?
- Beurteilung des Verdeckelungsgrades
- Spritzprobe bei unverdeckelten Waben
- Messung mit einem Honigrefraktometer
- Kontrolle verschiedener Bereiche einer Wabe
- Beachtung von Wetter und Trachtverlauf
Bei der Spritzprobe wird die Wabe waagerecht gehalten und ruckartig bewegt. Spritzt dünnflüssiger Nektar heraus, sollte die Wabe normalerweise noch nicht geerntet werden. Die sicherere Beurteilung erfolgt jedoch über eine fachgerechte Wassergehaltsmessung.
Aus der Praxis: Verdeckelung ist ein guter Hinweis, ersetzt aber keine Messung. Besonders nach feuchten Trachtperioden oder bei starken, kurzfristigen Einträgen sollte der Wassergehalt sorgfältig kontrolliert werden.
Warum verdeckeln Bienen den Honig?
Hat der Honig einen für die Bienen geeigneten Reifegrad erreicht, verschließen sie die gefüllten Wabenzellen mit dünnen Wachsdeckeln.
Die Verdeckelung schützt den Vorrat unter anderem vor Verschmutzung und direktem Kontakt mit der Stockluft. Sie bildet jedoch keinen vollkommen gas- und wasserdichten Verschluss.
Die Bienen können die Deckel später wieder öffnen und den Honig als Nahrung verwenden. Besonders im Winter und während längerer Schlechtwetterperioden ist dieser Vorrat überlebenswichtig.
Warum produzieren Bienen überhaupt Honig?
Honig ist in erster Linie der Kohlenhydratvorrat des Bienenvolkes. Er liefert Energie für Flug, Muskelarbeit, Brutpflege, Wärmeerzeugung und zahlreiche weitere Aufgaben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten überwintert bei Honigbienen nicht nur eine einzelne Königin. Das gesamte Volk verbringt den Winter gemeinsam in der Beute.
Da im Winter kaum Nektar gesammelt werden kann, legen die Bienen während der Trachtzeit umfangreiche Vorräte an. Diese Reserven ermöglichen es ihnen, auch über viele Wochen ohne äußeren Eintrag zu überleben.
Der Honig wird also nicht für den Menschen produziert. Der Imker kann lediglich einen Teil des Überschusses ernten und muss gleichzeitig sicherstellen, dass die Bienenvölker ausreichend versorgt bleiben.
Wie erntet der Imker den Honig?
Die Honigernte beginnt erst, wenn genügend reifer Honig vorhanden ist und die Ernte in die Betriebsweise und Versorgung der Bienenvölker passt.
1. Reife kontrollieren
Der Imker prüft Verdeckelung und Wassergehalt. Unreifer Honig besitzt ein erhöhtes Gärungsrisiko und darf nicht einfach als lagerfähiger Honig abgefüllt werden.
2. Bienen aus dem Honigraum entfernen
Die Bienen werden möglichst schonend von den Honigwaben getrennt. Dazu können beispielsweise eine Bienenflucht, ein Abkehrbesen oder ein geeignetes Gebläse eingesetzt werden.
3. Waben entnehmen und transportieren
Die Waben werden bienendicht und hygienisch in den Schleuderraum gebracht. Der Raum und alle Geräte müssen für die Verarbeitung eines Lebensmittels geeignet und sauber sein.
4. Futterwaben ausschließen
Winterfutter, Zuckerfutter und Honig dürfen nicht miteinander vermischt werden. Während der Honigernte dürfen daher keine Waben geschleudert werden, die Futterreste aus einer künstlichen Fütterung enthalten.
Vom Schleudern bis zum Abfüllen
Nach der Entnahme aus dem Bienenvolk folgen mehrere Verarbeitungsschritte. Sie machen aus dem Wabenhonig einen sauberen und gut abfüllbaren Schleuderhonig.
Entdeckeln
Die dünnen Wachsdeckel werden mit einer Entdeckelungsgabel, einem Messer oder einem anderen geeigneten Werkzeug entfernt. Erst danach kann der Honig aus den Zellen herausgeschleudert werden.
Schleudern
In der Honigschleuder wirkt die Fliehkraft. Der Honig verlässt die geöffneten Zellen, trifft auf die Innenwand der Schleuder und fließt nach unten.
Die Wabenstruktur bleibt weitgehend erhalten und kann den Bienenvölkern später wieder zurückgegeben werden.
Sieben
Der frisch geschleuderte Honig wird gesiebt, um größere Wachsteilchen und andere sichtbare Rückstände zu entfernen. Ein normales Honigsieb entfernt nicht automatisch sämtliche natürlichen Pollenbestandteile.
Klären und Abschäumen
Nach einer Ruhezeit steigen Luftblasen und feine Wachspartikel an die Oberfläche. Diese Schicht wird vom Imker abgeschäumt.
Rühren oder flüssig abfüllen
Abhängig von Honigsorte und gewünschter Konsistenz kann der Honig direkt flüssig abgefüllt oder während der Kristallisation gerührt werden.
Abfüllen und Lagern
Der fertige Honig wird in saubere, lebensmittelgeeignete Gläser gefüllt, verschlossen und korrekt gekennzeichnet. Anschließend sollte er kühl, dunkel, trocken und geruchsneutral gelagert werden.
Gut zu wissen: Schleudern, Sieben, Abschäumen und Rühren sind normale Arbeitsschritte. Sie machen einen Honig nicht weniger natürlich, sofern sauber gearbeitet und der Honig nicht verfälscht oder unnötig stark erwärmt wird.
Wie entsteht cremiger Honig?
Fast jeder naturbelassene Honig kristallisiert früher oder später. Ausschlaggebend sind vor allem das Verhältnis von Glucose zu Fructose, vorhandene Kristallisationskeime und die Lagertemperatur.
Glucosereiche Honige wie Rapshonig werden häufig schon kurz nach der Ernte fest. Fructosereiche Honige wie Robinienhonig können dagegen lange flüssig bleiben.
Für feincremigen Honig wird die beginnende Kristallisation kontrolliert. Durch regelmäßiges oder maschinelles Rühren werden große Kristallverbände zerkleinert und gleichmäßig verteilt.
Der Honig bleibt dadurch streichfähig und erhält ein feines Mundgefühl. Dem Honig wird beim Rühren nichts zugesetzt.
Wie entstehen verschiedene Honigsorten?
Farbe, Geruch, Geschmack und Kristallisation eines Honigs hängen stark von seiner botanischen Herkunft ab. Nektar und Honigtau verschiedener Pflanzen besitzen unterschiedliche Zuckerprofile und Aromastoffe.
| Honigsorte | Typische Eigenschaften |
|---|---|
| Rapshonig | Sehr hell, mild und schnell kristallisierend |
| Robinienhonig | Hell, mild und häufig lange flüssig |
| Lindenhonig | Kräftig-aromatisch, teilweise leicht mentholartig |
| Sommerblütenhonig | Abhängig von den gleichzeitig blühenden Pflanzen |
| Edelkastanienhonig | Dunkel, kräftig und häufig leicht bitter |
| Waldhonig | Meist dunkel, würzig und malzig |
Ein Sortenhonig muss vollständig oder überwiegend aus der angegebenen Tracht stammen und die dafür typischen sensorischen und analytischen Merkmale besitzen.
Allein die Tatsache, dass ein Bienenvolk neben einem Rapsfeld oder Lindenbestand stand, reicht für eine sichere Sortenbezeichnung nicht immer aus.
Wie viele Blüten braucht ein Glas Honig?
Die häufig genannten Zahlen zur Flugstrecke und Zahl der Blüten sind Näherungswerte. Sie hängen stark von Pflanzenart, Nektarmenge, Entfernung zum Bienenstock, Wetter und Größe des Glases ab.
Der Deutsche Imkerbund gibt für ein 500-Gramm-Glas „Echten Deutschen Honigs“ rund zwei Millionen angeflogene Pflanzen und etwa 7,5 Millionen bestäubte Blüten an.
Eine einzelne Sammelbiene kann an einem Tag viele Sammelflüge durchführen und dabei je nach Tracht mehrere Hundert Blüten pro Flug besuchen. Ein Glas Honig ist deshalb immer das Ergebnis der Zusammenarbeit sehr vieler Bienen.
Entscheidend ist nicht eine spektakuläre Einzelzahl: Hinter jedem Glas stehen unzählige Sammelflüge, eine funktionierende Arbeitsteilung im Bienenvolk und ein ausreichendes Angebot an Blüten oder Honigtau.
Was zeichnet hochwertigen Honig aus?
Die Qualität eines Honigs hängt nicht allein davon ab, ob er vom Imker oder aus dem Supermarkt stammt. Entscheidend sind Reife, Echtheit, Hygiene, Lagerung und eine schonende Verarbeitung.
- Der Honig wurde mit geeignet niedrigem Wassergehalt geerntet.
- Er enthält keine zugesetzten Zucker, Aromen oder anderen Fremdstoffe.
- Futterreste wurden nicht mitgeerntet.
- Alle Geräte und Räume waren sauber und lebensmittelgeeignet.
- Der Honig wurde nicht unnötig stark oder lange erwärmt.
- Er wurde kühl, dunkel und geruchsneutral gelagert.
- Herkunft und verantwortlicher Abfüller sind nachvollziehbar.
- Geruch und Geschmack sind sauber und sortentypisch.
Eine Kristallisation ist kein Zeichen schlechter Qualität. Sie ist bei vielen Honigsorten ein vollkommen natürlicher Vorgang.
Auch die Bezeichnung „kaltgeschleudert“ ist kein ausreichender Qualitätsnachweis. Honig wird beim Schleudern normalerweise nicht stark erwärmt. Entscheidend ist vielmehr, wie er vor und nach dem Schleudern behandelt und gelagert wurde.
Nektar und fertiger Honig im Vergleich
| Merkmal | Frischer Nektar | Reifer Honig |
|---|---|---|
| Herkunft | Blütennektar einer Pflanze | Von Bienen verarbeitetes Sammelgut |
| Wassergehalt | Häufig sehr hoch und stark schwankend | Deutlich reduziert |
| Konsistenz | Dünnflüssig | Zähflüssig, cremig oder kristallisiert |
| Zucker | Je nach Pflanze unterschiedliche Anteile | Durch Enzyme und Wasserentzug verändert und konzentriert |
| Lagerfähigkeit | Nur begrenzt | Bei richtiger Reife und Lagerung sehr lange |
| Verarbeitung | Noch nicht durch das Bienenvolk ausgereift | Enzymatisch bearbeitet und eingedickt |
Häufige Fragen zur Entstehung von Honig
Machen Bienen Honig aus Pollen?
Nein. Honig entsteht überwiegend aus Blütennektar oder Honigtau. Pollen dient vor allem als Eiweiß- und Nährstoffquelle für das Bienenvolk und wird als Bienenbrot in den Waben eingelagert.
Ist Honig Bienenspucke?
Diese umgangssprachliche Beschreibung ist zu stark vereinfacht. Die Bienen nehmen Nektar in ihre Honigblase auf, geben bieneneigene Enzyme hinzu, übergeben ihn an andere Bienen und entziehen ihm Wasser. Der Inhalt der Honigblase ist dabei vom eigentlichen Verdauungsmagen getrennt.
Wie lange dauert es, bis aus Nektar Honig wird?
Das lässt sich nicht auf eine feste Zahl reduzieren. Bei warmem, trockenem Wetter und einem starken Bienenvolk kann die Reifung relativ schnell erfolgen. Hohe Luftfeuchtigkeit, sehr wässriger Nektar oder starker Eintrag können den Prozess verlängern.
Warum fächeln Bienen am Flugloch?
Durch das Fächeln erzeugen die Bienen einen Luftstrom. Dieser unterstützt unter anderem die Klimaregulierung und den Abtransport feuchter Luft, die bei der Trocknung des eingetragenen Nektars entsteht.
Ist verdeckelter Honig immer reif?
Verdeckelte Zellen sind ein wichtiger Hinweis auf die Reife. Für eine sichere Beurteilung sollte der Imker dennoch den Wassergehalt kontrollieren, insbesondere nach feuchtem Wetter oder einem starken kurzfristigen Nektareintrag.
Warum wird Honig später fest?
Honig ist eine übersättigte Zuckerlösung. Vor allem Glucose bildet mit der Zeit Kristalle. Wie schnell das geschieht, hängt von der Honigsorte, der Temperatur und der Verarbeitung ab.
Wird Honig im Bienenstock gekocht?
Nein. Die Bienen kochen den Nektar nicht. Sie entziehen ihm Wasser durch Ausbreiten, wiederholtes Aufnehmen und Abgeben sowie durch Luftbewegung im Bienenstock.
Darf der Imker den gesamten Honig ernten?
Nein. Das Bienenvolk benötigt ausreichende Futterreserven. Der Imker darf nur den entnehmbaren Überschuss ernten und muss die Versorgung der Bienen jederzeit sicherstellen.
Warum schmeckt jeder Honig anders?
Geschmack, Farbe und Konsistenz hängen vor allem von den besuchten Pflanzen, dem Anteil von Honigtau, der Region, dem Erntezeitpunkt und dem Witterungsverlauf ab.
Fazit: Honig ist das Ergebnis perfekter Zusammenarbeit
Honig beginnt als dünnflüssiger Blütennektar oder Honigtau. Eine Sammelbiene nimmt den Rohstoff auf und transportiert ihn in ihrer Honigblase zum Bienenstock.
Dort übernehmen Stockbienen die weitere Verarbeitung. Sie geben Enzyme hinzu, verteilen das Sammelgut in den Wabenzellen und entziehen ihm einen großen Teil des Wassers. Erst dadurch entsteht ein konzentrierter und lagerfähiger Vorrat.
Ist der Honig ausreichend gereift, verschließen die Bienen die Zellen mit Wachs. Der Imker kann später einen Teil des Überschusses entnehmen, schleudern, sieben, gegebenenfalls rühren und in Gläser abfüllen.
Hinter jedem Glas Honig stehen deshalb nicht nur zahlreiche Blütenbesuche, sondern auch eine erstaunlich präzise Arbeitsteilung innerhalb des gesamten Bienenvolkes.
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Für die fachliche Überarbeitung wurden insbesondere Informationen des Deutschen Imkerbundes und wissenschaftlicher beziehungsweise imkerlicher Fachinstitutionen berücksichtigt. Einzelne Werte können abhängig von Honigsorte, Tracht, Region, Wetter und Messmethode abweichen.







