Viele Bienenvölker überstehen den Winter und geraten trotzdem kurz vor dem Frühjahr in Futternot. Mit wachsendem Brutnest steigt der Verbrauch deutlich, während kalte Tage, Regen oder eine verspätete Blüte den ersten sicheren Nektareintrag verhindern können.
Eine sorgfältige Futterkontrolle im Frühjahr gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben des Imkers. Dabei geht es nicht darum, jedes Volk bei niedrigen Temperaturen vollständig auseinanderzunehmen. Zunächst reichen eine Gewichtskontrolle von außen, die Beobachtung des Bienensitzes und bei begründetem Verdacht ein kurzer, gezielter Blick.
Aus meiner Imkerpraxis: Im Siegerland kann sich der Trachtbeginn durch Höhenlage, kühle Nächte und wechselhaftes Wetter verzögern. Deshalb kontrolliere ich die Völker nicht nur einmal, sondern vergleiche ihr Gewicht über mehrere Wochen. Gerade starke Völker können ihre Vorräte im März und April überraschend schnell verbrauchen.
Besonders wichtig ist dabei die Lage des Futters. Ein Volk kann noch Vorräte in der Beute besitzen und trotzdem verhungern, wenn die Bienentraube diese bei einem Kälteeinbruch nicht erreicht.
Autor: Thomas Wüst · Imker aus dem Siegerland · Vollständig überarbeitet im Juli 2026
Futterkontrolle im Frühjahr kurz erklärt
- Die kritische Zeit beginnt häufig im Februar oder März und kann bis zum sicheren Beginn der Frühjahrstracht reichen.
- Mit zunehmender Brutfläche steigt der Futterverbrauch deutlich.
- Kontrolliere zunächst das Gewicht durch vorsichtiges Anheben oder Wiegen der Beute.
- Vergleiche möglichst immer Völker mit gleichem Beutensystem.
- Ein leichtes Volk muss gezielt auf erreichbare Vorräte überprüft werden.
- Eine volle Reservewabe direkt am Bienensitz ist meist die beste Hilfe.
- Futterteig kann bei kühlem Wetter als Notlösung unmittelbar über dem Bienensitz aufgelegt werden.
- Flüssigfutter eignet sich nicht bei jeder Witterung und muss bienendicht gegeben werden.
- Futter darf nicht so gegeben werden, dass später Zuckerfutter in den Honigraum gelangt.
- Gefährdete Völker müssen bis zum sicheren Trachtbeginn wiederholt kontrolliert werden.
Inhaltsverzeichnis
- Warum das Frühjahr für Bienenvölker kritisch ist
- Wann sollte man den Futtervorrat kontrollieren?
- Wie viel Futter braucht ein Volk im Frühjahr?
- Futterkontrolle ohne Öffnen der Beute
- Wann ist eine Sichtkontrolle nötig?
- Was bedeutet Futterabriss?
- Anzeichen für Futtermangel
- Notfütterung richtig durchführen
- Futterwabe zuhängen oder umhängen
- Futterteig im Frühjahr
- Flüssigfutter im Frühjahr
- Fütterung und Honigraum
- Typische Fehler bei der Futterkontrolle
- Checkliste für den Bienenstand
- Häufige Fragen
Warum das Frühjahr für Bienenvölker so kritisch ist
Im Winter sitzen die Honigbienen eng in ihrer Wintertraube. Sie halten die Königin und das Innere der Traube warm und verbrauchen dabei ihre eingelagerten Vorräte. Solange nur wenig oder gar keine Brut gepflegt wird, bleibt der Verbrauch vergleichsweise überschaubar.
Mit den länger werdenden Tagen beginnt die Königin wieder stärker zu legen. Die Arbeiterinnen müssen das Brutnest nun dauerhaft auf ungefähr Bruttemperatur halten, Larven versorgen und Wasser eintragen. Dadurch steigt der Energiebedarf des Volkes.
Gleichzeitig ist das äußere Nahrungsangebot noch unsicher. Hasel, Erle, Krokus, Kornelkirsche und Weide können bereits Pollen oder Nektar liefern. Einige warme Flugtage bedeuten aber noch nicht, dass eine dauerhaft ergiebige Tracht eingesetzt hat.
Ein sonniger Februartag kann deshalb täuschen. Die Bienen fliegen und tragen möglicherweise Pollen ein, verbrauchen im Brutnest aber weiterhin mehr Energie, als sie von draußen erhalten.
Besonders gefährdet sind nicht nur schwache Völker: Ein starkes Volk mit großem Brutnest verbraucht besonders viel Futter. Nach einigen milden Wochen kann ein anschließender Kälteeinbruch deshalb selbst bei einem zunächst kräftigen Volk zur Futternot führen.
Wann sollte man den Futtervorrat kontrollieren?
Eine erste Gewichtskontrolle kann bereits während des Winters erfolgen, ohne die Beute zu öffnen. Spätestens ab Februar und März sollten die Vorräte regelmäßig beobachtet werden.
Der richtige Kontrollrhythmus hängt von Region, Wetter, Volksstärke und Ausgangsgewicht ab. Ein Volk, das deutlich leichter als die anderen erscheint, sollte nicht erst mehrere Wochen später wieder überprüft werden.
Orientierung nach Jahreszeit
| Zeitraum | Sinnvolle Kontrolle | Besonderes Risiko |
|---|---|---|
| Januar | Gewicht von außen prüfen, Flugloch beobachten | Störung der Wintertraube vermeiden |
| Februar | Leichte Völker markieren und engmaschiger wiegen | Beginnende Brut erhöht den Verbrauch |
| März | Gewichtskontrolle und bei Bedarf kurze Sichtkontrolle | Kälterückfälle trotz steigender Brutaktivität |
| April | Vorräte bis zum sicheren Trachtbeginn weiter prüfen | Große Brutflächen und wechselhafte Witterung |
| Nach Trachtbeginn | Eintrag, Gewicht und Wetter gemeinsam beurteilen | Blüte bedeutet nicht automatisch Nektarfluss |
Für eine reine Gewichtskontrolle muss kein bestimmter warmer Tag abgewartet werden. Soll die Beute kurz geöffnet werden, wählt man möglichst einen milden, sonnigen und windarmen Zeitpunkt und arbeitet zügig.
Eine vollständige Frühjahrsdurchsicht mit längerem Ziehen mehrerer Brutwaben gehört dagegen auf einen ausreichend warmen Tag. Die Futterkontrolle bei begründetem Verdacht darf aber nicht so lange aufgeschoben werden, bis das Volk bereits verhungert.
Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk im Frühjahr?
Eine für alle Völker gültige Kilogrammzahl gibt es nicht. Der Bedarf wird unter anderem von Volksstärke, Brutumfang, Beutensystem, Witterung, Standort und dem tatsächlichen Beginn der Tracht beeinflusst.
Als fachliche Orientierung wird für Anfang März häufig noch eine Reserve von ungefähr 8 Kilogramm Winterfutter genannt. Das ist kein starrer Grenzwert, sondern ein Sicherheitsrahmen. Ein stark brütendes Volk kann in einer kalten Phase wesentlich schneller Futter verbrauchen als ein kleines Volk.
Warum einzelne Wabenangaben schwierig sind
Die Futtermenge einer vollständig gefüllten Wabe hängt vom Rähmchenmaß und davon ab, wie groß und dick der verdeckelte Futterbereich tatsächlich ist. Eine volle Dadantwabe enthält beispielsweise mehr als eine kleinere Wabe in einem anderen Maß.
Deshalb sollte man Empfehlungen wie „zwei Futterwaben reichen“ nicht ohne Berücksichtigung des eigenen Systems übernehmen. Aussagekräftiger ist die geschätzte Gesamtmenge und die Frage, ob sich ausreichend Futter direkt in Reichweite der Bienen befindet.
Entscheidend ist nicht nur die Gesamtmenge: Bei kaltem Wetter bewegt sich die Bienentraube nur langsam. Eine volle Futterwabe am anderen Rand der Beute kann dann wertlos sein, wenn zwischen ihr und dem Bienensitz mehrere leere oder kalte Waben liegen.
Futterkontrolle ohne Öffnen der Beute
Die bienenschonendste Methode ist die Gewichtskontrolle. Sie gibt einen ersten Hinweis darauf, ob ein Volk gegenüber der Einwinterung oder gegenüber vergleichbaren Völkern auffällig viel Gewicht verloren hat.
Beute von hinten anheben
Bei der einfachsten Methode wird die Beute hinten vorsichtig wenige Zentimeter angehoben. Mit etwas Erfahrung lässt sich erkennen, ob sie noch ausreichend schwer oder auffällig leicht ist.
- Stelle dich hinter oder seitlich an die Beute.
- Greife sicher unter den Boden oder an eine geeignete Griffleiste.
- Hebe die Beute nur leicht an, ohne sie ruckartig zu bewegen.
- Vergleiche das Gefühl mit anderen Völkern im gleichen Beutensystem.
- Markiere auffällig leichte Völker für eine genauere Kontrolle.
Das Anheben liefert keinen exakten Kilogrammwert. Es ist aber schnell, störungsarm und für regelmäßige Vergleiche gut geeignet.
Wiegen mit einer Kofferwaage
Genauer wird die Kontrolle mit einer Zug- oder Kofferwaage. Dabei wird die Beute auf einer Seite leicht angehoben und das angezeigte Gewicht notiert. Für einen Näherungswert kann man beide Seiten getrennt wiegen und addieren.
Das Ergebnis enthält allerdings nicht nur Futter, sondern auch Beute, Rähmchen, Wachs, Bienen, Brut, Pollen und eventuell Feuchtigkeit. Besonders wertvoll wird die Messung deshalb, wenn das Leergewicht des eigenen Systems bekannt ist und regelmäßig vergleichbare Werte notiert werden.
Stockwaage
Eine dauerhaft installierte Stockwaage zeigt Gewichtsveränderungen über längere Zeit. Damit lässt sich erkennen, ob ein Volk täglich Vorräte verbraucht oder bereits wieder nennenswerten Eintrag erhält.
Eine einzelne Waage repräsentiert jedoch nur das gewogene Volk. Nachbarvölker können aufgrund ihrer Stärke, Brutfläche und Vorräte einen anderen Verlauf zeigen.
Wann ist eine Sichtkontrolle nötig?
Eine Sichtkontrolle wird nötig, wenn ein Volk auffällig leicht ist, der Bienensitz ungünstig erscheint oder andere Hinweise auf Futtermangel bestehen.
Bei niedrigen Temperaturen geht es nicht um eine vollständige Durchsicht. Ziel ist ausschließlich zu klären, ob Futter erreichbar ist und ob sofort geholfen werden muss.
So kontrollierst du möglichst schonend
- Bereite Futterwabe oder Futterteig vor, bevor du die Beute öffnest.
- Öffne den Deckel nur so weit wie notwendig.
- Bestimme den Sitz der Bienen anhand der besetzten Wabengassen.
- Prüfe die angrenzenden Futterbereiche.
- Ziehe nur dann eine Wabe, wenn die Situation anders nicht sicher beurteilt werden kann.
- Bringe das Futter unmittelbar an oder über den Bienensitz.
- Schließe die Beute wieder zügig.
Je kälter es ist, desto wichtiger sind kurze Wege und eine gute Vorbereitung. Eine Reservewabe erst nach dem Öffnen aus einem entfernten Lager zu holen, verlängert den Eingriff unnötig.
Was bedeutet Futterabriss?
Von einem Futterabriss spricht man, wenn das Volk noch Vorräte in der Beute besitzt, diese aber nicht mehr erreichen kann. Zwischen der Bienentraube und dem Futter liegen beispielsweise leere Wabenbereiche.
Bei warmem Wetter können die Bienen zu weiter entfernten Vorräten wechseln. Während einer kalten Phase bleiben sie jedoch eng auf der Brut sitzen. Sie verlassen die Brut nicht, obwohl wenige Waben weiter noch Futter vorhanden ist.
Typische Situationen
- Die Bienen sitzen auf Brutwaben mit nur kleinen Futterkränzen.
- Volle Futterwaben befinden sich am gegenüberliegenden Rand.
- Zwischen Bienensitz und Vorrat liegen mehrere leere Waben.
- Das Volk hat sich im Winter seitlich oder nach oben bewegt.
- Ein Kälteeinbruch verhindert die weitere Wanderung der Traube.
In diesem Fall reicht es nicht, nur die Gesamtmenge des Futters zu betrachten. Das Futter muss näher an den Bienensitz gebracht werden.
Merksatz: Futter in der Beute ist nur dann eine sichere Reserve, wenn die Bienen es bei der aktuellen Temperatur erreichen können.
Anzeichen für Futtermangel
Kein einzelnes sichtbares Zeichen beweist sicher, dass ein Volk hungert. Mehrere Beobachtungen zusammen können aber auf eine kritische Situation hinweisen.
- Die Beute ist im Vergleich zu ähnlichen Völkern auffällig leicht.
- Die Bienen sitzen direkt unter der Abdeckung oder am oberen Rand der Waben.
- In den besetzten Wabengassen sind kaum Futterkränze erkennbar.
- Randwaben und angrenzende Bereiche sind leer.
- Auf der Bodeneinlage liegen viele helle Wachskrümel aus geöffneten Futterzellen, der Vorrat nimmt aber sichtbar ab.
- Die Bienen sitzen eng auf einer kleinen Restfläche mit Brut.
- Das Volk wird trotz geeigneten Wetters schwächer.
- In leeren Zellen stecken tote Bienen mit dem Kopf tief in der Zelle.
Das Flugloch allein liefert keine sichere Diagnose. Ein ruhiges Volk kann gesund sein, während ein reger Polleneintrag nicht beweist, dass ausreichend Kohlenhydratfutter vorhanden ist.
Auch die Reaktion auf Anklopfen ist kein zuverlässiger Futtertest. Klang und Dauer des Summens werden von Temperatur, Volksstärke, Königinnenstatus und Störung beeinflusst.
Notfütterung im Frühjahr richtig durchführen
Besteht akuter Futtermangel, muss sofort gehandelt werden. Die beste Methode richtet sich nach Temperatur, Bienensitz, verfügbaren Reservewaben und dem zeitlichen Abstand zur Honigernte.
| Methode | Geeignet für | Vorteil | Beachten |
|---|---|---|---|
| Volle Futterwabe | Kühle und milde Witterung | Sofort verfügbar und nah am natürlichen Vorrat | Direkt an den Bienensitz hängen |
| Vorhandene Futterwabe umhängen | Futterabriss | Kein zusätzliches Futter notwendig | Brutnest nicht unnötig auseinanderziehen |
| Futterteig | Kühle Witterung und kleine Überbrückung | Kann direkt über dem Sitz liegen | Wasserbedarf und Annahme beachten |
| Flüssigfutter | Geeignetes Flugwetter und kontrollierte Fütterung | Gut aufnehmbar und schnell verfügbar | Räuberei, Auskühlung und Honigverfälschung vermeiden |
Unabhängig von der Methode gilt: Das Futter muss dort angeboten werden, wo die Bienen es erreichen. Eine Futtertasche oder ein Futtergefäß in großer Entfernung zur Traube hilft bei kaltem Wetter möglicherweise nicht rechtzeitig.
Futterwabe zuhängen oder vorhandenes Futter umhängen
Eine gut erhaltene, volle und lebensmittelsaubere Reservefutterwabe ist in vielen Fällen die beste Hilfe. Sie enthält bereits konzentriertes Futter und muss nicht erst von den Bienen eingedickt werden.
So wird die Futterwabe richtig positioniert
- Bestimme den aktuellen Bienensitz.
- Entferne bei Bedarf eine leere Randwabe.
- Hänge die Futterwabe unmittelbar neben die äußerste besetzte Wabe.
- Bei sehr kalter Witterung kann eine teilweise geöffnete Futterfläche die Annahme erleichtern.
- Schließe die Beute zügig und kontrolliere das Volk erneut.
Die Wabe darf das kompakte Brutnest nicht unnötig teilen. Sie gehört an den Rand des Bienensitzes und nicht zwischen zwei Brutwaben.
Woher darf die Futterwabe stammen?
Reservewaben sollten aus einem gesunden und unauffälligen eigenen Bestand stammen. Waben unbekannter Herkunft können Krankheitserreger oder Rückstände einschleppen.
Futterwaben aus abgestorbenen oder krankheitsverdächtigen Völkern dürfen nicht unkritisch verteilt werden. Bei ungeklärter Todesursache muss zunächst die Ursache beurteilt werden.
Futterteig im Frühjahr richtig einsetzen
Futterteig kann bei niedrigen Temperaturen eine praktische Notlösung sein. Er wird unmittelbar über den besetzten Wabengassen beziehungsweise über dem Bienensitz angeboten.
Die Bienen benötigen Wasser, um festen Futterteig aufzunehmen und zu verarbeiten. Bei anhaltend kaltem Wetter und ohne erreichbare Wasserquelle kann die Aufnahme deshalb langsamer erfolgen.
Darauf solltest du achten
- Folie oder Verpackung nur an der Unterseite passend öffnen.
- Futterteig direkt über dem Bienensitz platzieren.
- Wärmehaushalt der Beute nicht durch unnötigen Leerraum verschlechtern.
- Auf ausreichenden Zugang für die Bienen achten.
- Verbrauch regelmäßig kontrollieren.
- Futterteig nicht als Ersatz für eine langfristig ausreichende Reserve betrachten.
Ein kleiner Teigblock kann ein gefährdetes Volk kurzfristig absichern. Wenn bis zum Trachtbeginn noch mehrere Wochen zu überbrücken sind, muss die Gesamtversorgung trotzdem weiter beobachtet werden.
Flüssigfutter im Frühjahr: sinnvoll oder riskant?
Flüssigfutter kann von Bienen schnell aufgenommen werden, ist im zeitigen Frühjahr aber nicht unter allen Bedingungen die beste Wahl. Bei niedrigen Temperaturen erreichen die Bienen entfernte Futtergefäße möglicherweise schlecht.
Zudem kann der Duft von Zuckerwasser Räuberei auslösen, wenn Futter verschüttet wird oder die Fütterung nicht bienendicht erfolgt.
Flüssigfutter nur unter passenden Bedingungen
- Die Bienen müssen das Futtergefäß sicher erreichen können.
- Die Fütterung muss innerhalb der Beute und bienendicht erfolgen.
- Es darf kein Zuckerwasser am Bienenstand verschüttet werden.
- Das Flugloch kann bei erhöhter Räubereigefahr angepasst werden.
- Die Fütterung muss ausreichend weit vor der Honigernte beendet sein.
- Honigräume dürfen während einer Notfütterung nicht zur Gewinnung von Verkaufshonig genutzt werden.
Ob eine dickere oder dünnere Lösung sinnvoll ist, hängt vom Ziel, der Temperatur und der verwendeten Fütterungstechnik ab. Bei akuter Futternot ist nicht das Mischungsverhältnis allein entscheidend, sondern die schnelle und sichere Erreichbarkeit.
Keine offene Fütterung: Schalen, Eimer oder andere frei zugängliche Futterstellen am Bienenstand fördern Räuberei, begünstigen die Übertragung von Krankheiten und erlauben keine kontrollierte Versorgung einzelner Völker.
Fütterung im Frühjahr und Aufsetzen des Honigraums
Zuckerfutter darf nicht in den später geernteten Honig gelangen. Deshalb müssen Notfütterung, Trachtbeginn und Honigraumgabe sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Solange ein Volk künstlich gefüttert werden muss, ist seine Versorgung noch nicht durch eine sichere natürliche Tracht gewährleistet. Ein zur Ernte bestimmter Honigraum sollte nicht gleichzeitig mit einer solchen Fütterung geführt werden.
Vor dem Aufsetzen prüfen
- Ist die Notfütterung vollständig beendet?
- Wird von draußen zuverlässig Nektar eingetragen?
- Hat das Volk noch überschüssige Futterwaben aus der Wintereinfütterung?
- Könnten diese Vorräte in den Honigraum umgetragen werden?
- Ist die Region tatsächlich in der Tracht oder blühen die Pflanzen nur optisch?
- Passt der Zeitpunkt zur Stärke und Entwicklung des Volkes?
Überschüssige Winterfutterwaben können später entnommen und als Reserve für Ableger oder die nächste Notlage aufbewahrt werden. Dabei sind eine bienendichte, kühle und vor Wachsmotten geschützte Lagerung sowie ein gesunder Ursprung wichtig.
Typische Fehler bei der Futterkontrolle
Nur einmal im Frühjahr kontrollieren
Eine Kontrolle Anfang März reicht nicht automatisch bis zur Obstblüte. Bei kaltem Wetter und wachsendem Brutnest kann sich die Situation innerhalb kurzer Zeit verändern.
Nur auf die Blüte schauen
Eine blühende Weide, Kirsche oder Löwenzahnwiese garantiert noch keinen starken Nektarfluss. Kälte, Wind, Trockenheit und Regen können die Tracht erheblich einschränken.
Futtermenge und Erreichbarkeit verwechseln
Volle Randwaben helfen dem Volk bei Kälte nicht, wenn es vom Brutnest aus nicht zu ihnen gelangen kann.
Bei jedem Verdacht das gesamte Brutnest zerlegen
Eine Futterkontrolle ist keine vollständige Volksdurchsicht. Bei kühlem Wetter sollte nur so weit eingegriffen werden, wie es zur sicheren Versorgung notwendig ist.
Futter weit entfernt vom Bienensitz anbieten
Futterteig über einer leeren Wabengasse oder Flüssigfutter in einer nicht erreichbaren Futterzarge kann im Notfall zu spät angenommen werden.
Unbekannte Futterwaben verwenden
Waben aus fremden oder krankheitsverdächtigen Beständen können Krankheitserreger übertragen. Reservewaben sollten aus einem nachvollziehbar gesunden Bestand stammen.
Parallel füttern und Honig ernten
Künstliches Futter darf nicht im Verkaufshonig landen. Vor dem Aufsetzen zur Honiggewinnung müssen Notfütterung und überschüssige Wintervorräte berücksichtigt werden.
Checkliste: Futterkontrolle am Bienenstand
- Wetter und bisherige Flugmöglichkeiten beurteilen
- Beute von hinten oder von beiden Seiten wiegen
- Gewicht mit gleichen Beuten vergleichen
- Auffällig leichte Völker markieren
- Bienensitz unter der Abdeckung feststellen
- Erreichbare Futterkränze und angrenzende Waben prüfen
- Futterabriss ausschließen
- Bei Bedarf volle Reservewabe direkt an den Sitz hängen
- Alternativ Futterteig unmittelbar über den Sitz legen
- Flüssigfutter nur bienendicht und bei geeigneten Bedingungen geben
- Gefährdete Völker nach wenigen Tagen erneut kontrollieren
- Notfütterung vor der Honigraumgabe vollständig beenden
- Beobachtungen und Gewicht notieren
Futterkontrolle dokumentieren
Kurze Aufzeichnungen helfen, Veränderungen besser zu beurteilen. Besonders bei mehreren Völkern ist das eigene Gefühl für das Gewicht sonst schnell ungenau.
| Datum | Volk | Gewichtseindruck | Bienensitz | Maßnahme | Nächste Kontrolle |
|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel | Volk 3 | deutlich leichter | hinten links | Futterwabe angehängt | in 4 Tagen |
Wer mit einer Kofferwaage arbeitet, sollte die tatsächlichen Messwerte eintragen. Dadurch lässt sich der Verbrauch über mehrere Wochen vergleichen und der eigene Erfahrungswert für das Beutensystem verbessert sich.
Häufige Fragen zur Futterkontrolle im Frühjahr
Wann kontrolliert man die Futtervorräte der Bienen?
Das Gewicht kann bereits während des Winters von außen kontrolliert werden. Ab Februar und März sollten leichte oder stark brütende Völker besonders aufmerksam beobachtet werden. Die Kontrolle wird bis zum sicheren Beginn einer ergiebigen Frühjahrstracht fortgesetzt.
Wie viel Futter sollte ein Bienenvolk im März noch haben?
Als Orientierung werden Anfang März häufig ungefähr 8 Kilogramm Reserve genannt. Der tatsächliche Bedarf hängt jedoch von Volksstärke, Brutumfang, Region, Witterung und Trachtbeginn ab.
Wie erkennt man ein zu leichtes Bienenvolk?
Die Beute wird hinten vorsichtig angehoben oder mit einer Kofferwaage von beiden Seiten gewogen. Besonders aussagekräftig ist der Vergleich mit gleich aufgebauten Völkern und mit früheren Messwerten derselben Beute.
Was ist die beste Notfütterung im Frühjahr?
Eine volle und gesunde Reservefutterwabe direkt neben dem Bienensitz ist meist die beste Lösung. Bei kühler Witterung kann Futterteig unmittelbar über dem Sitz helfen. Flüssigfutter ist nur unter geeigneten Bedingungen und bienendicht einzusetzen.
Kann ein Volk trotz voller Futterwaben verhungern?
Ja. Bei einem Futterabriss liegen die Vorräte außerhalb der Reichweite der Bienentraube. Während eines Kälteeinbruchs verlassen die Bienen das Brutnest möglicherweise nicht und erreichen die weiter entfernte Wabe nicht.
Darf man im Frühjahr Zuckerwasser füttern?
Bei Futternot kann Flüssigfutter eingesetzt werden, wenn die Bienen es sicher erreichen und die Fütterung bienendicht erfolgt. Dabei müssen Räuberei, Auskühlung und ein späterer Eintrag von Zuckerfutter in den Honigraum verhindert werden.
Reicht Polleneintrag als Zeichen für genügend Futter?
Nein. Pollen zeigt Flugaktivität und verfügbare Pollenquellen, ersetzt aber keinen ausreichenden Kohlenhydratvorrat. Ein Volk kann Pollen eintragen und gleichzeitig nur noch wenig Futter besitzen.
Wann darf der Honigraum nach einer Notfütterung aufgesetzt werden?
Erst wenn die künstliche Fütterung beendet ist, die natürliche Tracht zuverlässig trägt und kein Risiko besteht, dass Zuckerfutter in den zur Ernte bestimmten Honigraum umgetragen wird.
Muss man für die Futterkontrolle alle Waben ziehen?
Nein. Zunächst reichen Gewichtskontrolle und Beobachtung des Bienensitzes. Bei einem begründeten Verdacht wird die Beute nur so weit geöffnet, wie es zur Prüfung und Versorgung notwendig ist.
Fazit: Im Frühjahr entscheidet Erreichbarkeit über das Überleben
Die Futterkontrolle im Frühjahr gehört zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen am Bienenstand. Mit wachsendem Brutnest steigt der Verbrauch, während der erste sichere Nektareintrag noch Wochen entfernt sein kann.
Kontrolliere deshalb nicht nur einmal, sondern beobachte die Gewichtsentwicklung bis zum tatsächlichen Beginn der Frühjahrstracht. Das vorsichtige Anheben der Beute oder eine Messung mit der Kofferwaage belastet das Volk kaum und zeigt frühzeitig auffällige Unterschiede.
Bei Futtermangel ist eine volle Reservewabe direkt am Bienensitz meist die beste Hilfe. Futterteig kann eine kurzfristige Lücke überbrücken. Flüssigfutter erfordert passende Temperaturen, eine bienendichte Gabe und besondere Sorgfalt im Hinblick auf Räuberei und die spätere Honigernte.
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Futter sich irgendwo in der Beute befindet. Es muss für die Bienen bei der aktuellen Witterung erreichbar sein. Wer diesen Punkt beachtet und leichte Völker wiederholt kontrolliert, verhindert viele vermeidbare Frühjahrsverluste.
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Quellen und fachliche Grundlagen
Die Empfehlungen wurden insbesondere anhand von Veröffentlichungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie des LAVES-Instituts für Bienenkunde Celle fachlich eingeordnet. Die benötigte Futtermenge kann je nach Beutensystem, Region, Volksstärke, Brutumfang und Witterung abweichen.
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- LAVES: Fütterungen mit Bedacht durchführen
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