Honigtau – das süße Geheimnis des Waldes
Honigtau ist eine der faszinierendsten Grundlagen für unseren heimischen Honig. Anders als Blütenhonig stammt er nicht aus Nektar, sondern entsteht, wenn kleine Insekten wie Blatt-, Schild- oder Rindenläuse den zuckerhaltigen Pflanzensaft der Bäume aufnehmen. Da sie mehr Zucker aufnehmen, als sie selbst benötigen, scheiden sie den Überschuss wieder aus – als winzige, glänzende Tröpfchen. Genau dieser süße Saft, der sich auf Blättern und Nadeln sammelt, wird von den Honigbienen gesammelt und weiterverarbeitet: Es entsteht der unverwechselbare Waldhonig.
Für uns Imker ist die Honigtautracht etwas ganz Besonderes. Sie tritt meist im Hochsommer auf, wenn die Blütenvielfalt nachlässt, aber das Leben im Wald auf Hochtouren läuft. Besonders Fichten, Tannen und Eichen liefern den Läusen reichlich Nahrung – und damit den Bienen wertvollen Honigtau. Wer schon einmal eine kräftige Waldtracht erlebt hat, weiß: Die Bienen sind dann oft stundenlang im Wald unterwegs und kommen schwer beladen zurück. Die Farbe des Honigs ist dabei deutlich dunkler als bei Blütenhonig, der Geschmack kräftig, würzig und leicht malzig.
Der hohe Mineralstoffgehalt und die Enzymvielfalt machen Honigtauhonig zu einem echten Naturwunder. Er enthält mehr Spurenelemente, ist weniger süß, dafür aber aromatischer und länger haltbar. Viele Imker nutzen diese Zeit, um die Völker gezielt zu beobachten und sicherzustellen, dass sie trotz des regen Sammelbetriebs genügend Wasser und frische Luft im Stock haben – denn bei warmem Wetter kann der zähe Honigtau schnell eindicken. Wer mehr über die Aufgaben der Bienen im Jahresverlauf erfahren möchte, findet in unserem Beitrag Imkern im Sommer spannende Einblicke.
Auch für die Natur hat Honigtau eine wichtige Bedeutung. Er zeigt, wie eng das Zusammenspiel zwischen Pflanzen, Insekten und Bienen funktioniert. Ohne Läuse gäbe es keinen Waldhonig, und ohne Bienen würde der süße Saft einfach auf den Nadeln antrocknen. Dieses feine Gleichgewicht erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Lebensräume für alle Beteiligten zu erhalten. In unserem Trachtpflanzenguide findest du übrigens viele Pflanzen, die Bienen außerhalb der Waldtracht mit wertvollem Nektar versorgen.
Wer Waldhonig probiert, schmeckt die Kraft des Waldes: würzig, warm, harzig und mit einer leichten Karamellnote. Besonders in Kombination mit einem kräftigen Brot oder in warmem Tee entfaltet er sein volles Aroma. Kein Wunder, dass viele Imker ihren Waldhonig als die Krönung der Saison sehen. Und wie bei jedem echten Naturprodukt gilt: Jede Charge schmeckt anders – abhängig von Witterung, Region und den beteiligten Baumarten.
Wenn du dich tiefer für die Inhaltsstoffe und heilenden Eigenschaften der Bienenprodukte interessierst, lohnt sich auch ein Blick auf unseren Artikel über Propolis. Zusammen zeigen diese Naturwunder, wie vielfältig die Welt der Bienen ist – und wie viel sie uns Menschen schenkt.
Honigtau ist also weit mehr als nur ein Ersatz für Blütennektar. Er ist Ausdruck eines lebendigen Ökosystems, einer stillen Symbiose zwischen Pflanzen, Insekten und Bienen. Und wer einmal erlebt hat, wie ein Bienenvolk den Waldhonig einträgt, der versteht, warum dieser dunkle, kräftige Honig für viele Imker das wahre Gold des Sommers ist.







